DAS RUBENSHAUS TRUMPFT ERNEUT AUF

Mittwoch, 9. März 2016 — Erst vor Kurzem ist ein „neues“ Selbstporträt von Anthony van Dyck aufgetaucht, ein absolutes Vorzeigestück. Es ähnelt dem bekannten Selbstporträt von Van Dyck aus The National Portrait Gallery in London, welches vor ein paar Jahren für einiges an Aufregung sorgte, sehr. Und wiederum kann das Rubenshaus dieses neue Werk als erstes einem großen Publikum zeigen, zusammen mit 6 weiteren Leihgaben. 

Die Visitenkarte von Van Dyck
Anthony van Dyck war der berühmteste und talentierteste Schüler von Peter Paul Rubens. Das nun aufgetauchte Selbstporträt hat er im Auftrag des englischen Königs Charles I gemalt. Selbstporträts erfolgreicher Künstler waren begehrte Sammelobjekte, und Charles I hatte eine kleine aber feine Sammlung von Selbstporträts von Tizian, Bronzino, Giulio Romano, Rubens und Van Dyck. Charles I bewunderte seinen Hofmaler Anthony van Dyck sehr und brachte im ein großes Wohlwollen entgegen, was auch aus seinen Worten auf dem Graf von Van Dyck in London hervorgeht: „Anthony van Dyck, who while he lived gave immortality to many“.

Das Selbstporträt im Rubenshaus ist mit dem aus The National Portrait Gallery in London fast identisch. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Schnurrbart von Anthony in diesem Porträt nach oben steht. Van Dyck zeigt sich Charles I hier formell. Der herunterhängende Schnurrbart auf dem Werk in London weist darauf hin, dass Van Dyck dieses Porträt für sich selbst anfertigte. Aufgrund der Übermalungen und des späteren rechteckigen Rahmens wurde das Werk bis vor Kurzem Nachfolgern zugeschrieben. Untersuchungen haben nunmehr ergeben, dass es sich um einen echten Van Dyck handelt. Ein solches Selbstporträt war eine wahrhaftige Visitenkarte, die von dem Talent des Künstlers zeugte. Der Maler entschied selbst, wie er gesehen werden wollte. Profilierung und Eitelkeit gibt es sicher nicht erst seit der modernen (Facebook-) Zeit.

Internationale Premiere für Maerten de Vos
Nicht nur das Selbstporträt von Anthony Van Dyck erlebt im Rubenshaus seine internationale Premiere, sondern auch Die Verleumdung des Apelles von Maerten de Vos. Der talentierte De Vos ist dem breiten Publikum weniger bekannt, wird jedoch als „Vorgänger“ Rubens angesehen.

Die Verleumdung des Apelles war ein Thema, mit dem sich De Vos als gelehrter Renaissance-Künstler profilieren konnte. Apelles – der berühmte Maler aus der Antike – wurde durch einen konkurrierenden Meister verleumderisch der Verschwörung gegen den mazedonischen General Ptolemaeus beschuldigt. Dieser stand kurz davor, Apelles hinrichten zu lassen, als die Wahrheit über seine Unschuld ans Licht kam und der Maler doch noch freigesprochen wurde. Das Thema wurde im frühen fünfzehnten Jahrhundert neu entdeckt und war sehr populär. In den Niederlanden wurde Apelles als die Verkörperung des perfekten Malers angesehen. So wurde Rubens wiederholt als „Apelles seiner Zeit“ gepriesen. Das Tafelbild von Maerten de Vos ist heutzutage die einzig bekannte gemalte Version des Themas aus den Niederlanden. 2019 soll das Werk als Dauerleihgabe in dem renovierten königlichen Museum der schönen Künste in Antwerpen ausgestellt werden.

LinkedIn in der Zeit Rubens
Ein anderer Grund für einen Besuch des Rubenshauses ist der Jupiterkopf von Anthony van Dyck und die Kopfstudie einer alten Frau von Jacob Jordaens. Der Jupiterkopf ist ein Fragment des virtuosen Werks Jupiter und Antiope, von dem Van Dyck verschiedene Versionen schuf. Das Gemälde in der Sammlung des Museums der schönen Künste in Gent wird auf ca. 1620 datiert. Zu diesem Zeitpunkt war Van Dyck noch jung und wurde stark durch seinen Lehrmeister Rubens beeinflusst. Der muskulöse und bärtige Jupiter erinnert an Figuren alter Männer in den Kompositionen Rubens. Die Studie zeigt einen gebeugten Jupiter mit Hörnern auf dem Kopf, der als Satyr verkleidet ist, ein unsittliches mythologisches Wesen mit Ziegenbeinen. Die Kopfstudie einer alten Frau von Jacob Jordaens ist eine Studie für ein Werk. Er war neben Rubens und Van Dyck einer der Protagonisten der flämischen barocken Malerei. Jordaens wurde stark von Rubens beeinflusst, entwickelte jedoch einen ganz eigenen Stil. Wie viele Meister fertigte er Studien nach lebenden Modellen. Die Art und Weise, auf die der Antwerpener Meister das Gesicht der alten Frau modellierte, mit sichtbaren Falten in ihrem Nacken und auf ihrem Gesicht und geröteten Wangen, macht sie zu einer charakteristischen, erkennbaren und lebenden Person.

Auch die prächtigen Porträts von Elisabeth von Frankreich und Ferdinando Gonzaga des talentierten Frans Pourbus de Jonge können im Rubenshaus bewundert werden. Die detaillierte Darstellung des mit gold bedeckten Harnisch des jungen Mannes und der mit Goldbordüren versehenen Kleidung der zehnjährigen Elisabeth zeigt das meisterhafte Talent von Pourbus als Porträtmaler. In dem lebensechten Porträt eines Herren stellt Jan Cossiers einen unbekannten, jedoch treffsicheren jungen Mann dar. Beide Maler waren geschäftlich mit Rubens bekannt. Mit Pourbus arbeitete Rubens in demselben Atelier im italienischen Mantua und mit Cossiers arbeitete er in den 1630er Jahren regelmäßig zusammen.

Das Rubenshaus kann weiterhin erstaunen
Werke großer Namen wie von Van Dyck zu kaufen ist für viele Museen unbezahlbar geworden. Damit Sie als Besucher so viel wie möglich von dem Werk Rubens und seiner talentierten Zeitgenossen genießen können, leiht das Rubenshaus relevante Werke aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Jede einzelne der neuen Leihgaben ist ein Meisterwerk der Malerei, welches Sie im Rubenshaus, dem Ort, an dem die Künstler einen Teil ihres Lebens verbracht haben, bewundern können.

Die Leihgaben des Rubenshauses wechseln regelmäßig. Auf unserer Internetseite finden Sie die aktuellsten Informationen.
Rubenshaus, Wapper 9-11, 2000 Antwerpen
www.rubenshuis.be

Presseinformation
Nadia De Vree, Pressedienst Museum und Erbgut Antwerpen
+32 475 36 71 96, nadia.devree@stad.antwerpen.be

Verantwortlicher Beigeordneter: Philip Heylen, Beigeordneter für Kultur, wirtschaft, Stadt- und Nachbarschaftspflege

 

Anlage 1:

Das Rubenshaus trumpft erneut auf

Erst vor Kurzem ist ein „neues“ Selbstporträt von Anthony van Dyck aufgetaucht, ein absolutes Vorzeigestück. Es ähnelt dem bekannten Selbstporträt von Van Dyck aus The National Portrait Gallery in London, welches vor ein paar Jahren für einiges an Aufregung sorgte, sehr. Und wiederum kann das Rubenshaus dieses neue Werk als erstes einem großen Publikum zeigen, zusammen mit 6 weiteren Leihgaben.

Die Visitenkarte von Van Dyck

Anthony van Dyck war der berühmteste und talentierteste Schüler von Peter Paul Rubens. Das nun aufgetauchte Selbstporträt hat er im Auftrag des englischen Königs Charles I gemalt. Selbstporträts erfolgreicher Künstler waren begehrte Sammelobjekte, und Charles I hatte eine kleine aber feine Sammlung von Selbstporträts von Tizian, Bronzino, Giulio Romano, Rubens und Van Dyck. Charles I bewunderte seinen Hofmaler Anthony van Dyck sehr und brachte im ein großes Wohlwollen entgegen, was auch aus seinen Worten auf dem Graf von Van Dyck in London hervorgeht: „Anthony van Dyck, who while he lived gave immortality to many“.

Das Selbstporträt im Rubenshaus ist mit dem aus The National Portrait Gallery in London fast identisch. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Schnurrbart von Anthony in diesem Porträt nach oben steht. Van Dyck zeigt sich Charles I hier formell. Der herunterhängende Schnurrbart auf dem Werk in London weist darauf hin, dass Van Dyck dieses Porträt für sich selbst anfertigte. Aufgrund der Übermalungen und des späteren rechteckigen Rahmens wurde das Werk bis vor Kurzem Nachfolgern zugeschrieben. Untersuchungen haben nunmehr ergeben, dass es sich um einen echten Van Dyck handelt. Ein solches Selbstporträt war eine wahrhaftige Visitenkarte, die von dem Talent des Künstlers zeugte. Der Maler entschied selbst, wie er gesehen werden wollte. Profilierung und Eitelkeit gibt es sicher nicht erst seit der modernen (Facebook-) Zeit.

Internationale Premiere für Maerten de Vos

Nicht nur das Selbstporträt von Anthony Van Dyck erlebt im Rubenshaus seine internationale Premiere, sondern auch Die Verleumdung des Apelles von Maerten de Vos. Der talentierte De Vos ist dem breiten Publikum weniger bekannt, wird jedoch als „Vorgänger“ Rubens angesehen.

Die Verleumdung des Apelles war ein Thema, mit dem sich De Vos als gelehrter Renaissance-Künstler profilieren konnte. Apelles – der berühmte Maler aus der Antike – wurde durch einen konkurrierenden Meister verleumderisch der Verschwörung gegen den mazedonischen General Ptolemaeus beschuldigt. Dieser stand kurz davor, Apelles hinrichten zu lassen, als die Wahrheit über seine Unschuld ans Licht kam und der Maler doch noch freigesprochen wurde. Das Thema wurde im frühen fünfzehnten Jahrhundert neu entdeckt und war sehr populär. In den Niederlanden wurde Apelles als die Verkörperung des perfekten Malers angesehen. So wurde Rubens wiederholt als „Apelles seiner Zeit“ gepriesen. Das Tafelbild von Maerten de Vos ist heutzutage die einzig bekannte gemalte Version des Themas aus den Niederlanden. 2019 soll das Werk als Dauerleihgabe in dem renovierten königlichen Museum der schönen Künste in Antwerpen ausgestellt werden.

LinkedIn in der Zeit Rubens

Ein anderer Grund für einen Besuch des Rubenshauses ist der Jupiterkopf von Anthony van Dyck und die Kopfstudie einer alten Frau von Jacob Jordaens. Der Jupiterkopf ist ein Fragment des virtuosen Werks Jupiter und Antiope, von dem Van Dyck verschiedene Versionen schuf. Das Gemälde in der Sammlung des Museums der schönen Künste in Gent wird auf ca. 1620 datiert. Zu diesem Zeitpunkt war Van Dyck noch jung und wurde stark durch seinen Lehrmeister Rubens beeinflusst. Der muskulöse und bärtige Jupiter erinnert an Figuren alter Männer in den Kompositionen Rubens. Die Studie zeigt einen gebeugten Jupiter mit Hörnern auf dem Kopf, der als Satyr verkleidet ist, ein unsittliches mythologisches Wesen mit Ziegenbeinen. Die Kopfstudie einer alten Frau von Jacob Jordaens ist eine Studie für ein Werk. Er war neben Rubens und Van Dyck einer der Protagonisten der flämischen barocken Malerei. Jordaens wurde stark von Rubens beeinflusst, entwickelte jedoch einen ganz eigenen Stil. Wie viele Meister fertigte er Studien nach lebenden Modellen. Die Art und Weise, auf die der Antwerpener Meister das Gesicht der alten Frau modellierte, mit sichtbaren Falten in ihrem Nacken und auf ihrem Gesicht und geröteten Wangen, macht sie zu einer charakteristischen, erkennbaren und lebenden Person.

Auch die prächtigen Porträts von Elisabeth von Frankreich und Ferdinando Gonzaga des talentierten Frans Pourbus de Jonge können im Rubenshaus bewundert werden. Die detaillierte Darstellung des mit gold bedeckten Harnisch des jungen Mannes und der mit Goldbordüren versehenen Kleidung der zehnjährigen Elisabeth zeigt das meisterhafte Talent von Pourbus als Porträtmaler. In dem lebensechten Porträt eines Herren stellt Jan Cossiers einen unbekannten, jedoch treffsicheren jungen Mann dar. Beide Maler waren geschäftlich mit Rubens bekannt. Mit Pourbus arbeitete Rubens in demselben Atelier im italienischen Mantua und mit Cossiers arbeitete er in den 1630er Jahren regelmäßig zusammen.

Das Rubenshaus kann weiterhin erstaunen

Werke großer Namen wie von Van Dyck zu kaufen ist für viele Museen unbezahlbar geworden. Damit Sie als Besucher so viel wie möglich von dem Werk Rubens und seiner talentierten Zeitgenossen genießen können, leiht das Rubenshaus relevante Werke aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Jede einzelne der neuen Leihgaben ist ein Meisterwerk der Malerei, welches Sie im Rubenshaus, dem Ort, an dem die Künstler einen Teil ihres Lebens verbracht haben, bewundern können.

Die Leihgaben des Rubenshauses wechseln regelmäßig. Auf unserer Internetseite finden Sie die aktuellsten Informationen.

Rubenshaus, Wapper 9-11, 2000 Antwerpen

www.rubenshuis.be

 

Anlage 2:

Maerten De Vos (1532-1603), Die Verleumdung des Apelles, Öl auf Holz, Dauerleihgabe, Privatsammlung, Großherzogtum Luxemburg

An der rechten Seite sitzt ein Man mit sehr großen Ohren, fast wie die von Midas, der seine Hand der Verleumdung entgegen streckt, während diese sich immer noch in gewisser Entfernung zu ihm befindet. In seiner Nähe, an seiner Seite, stehen zwei Frauen – die Ignoranz, denke ich, und der Argwohn. Von der anderen Seite nähert sich die Verleumdung, eine unsagbar schöne Frau, doch voller Leidenschaft und Erregung. Dabei zeigt sie Wut und Zorn, indem sie in ihrer linken Hand eine brennende Fackel hält und mit der anderen Hand einen jungen Mann an den Haaren hinter sich herzieht, der seine Hände gen Himmel streckt und die Götter anfleht, seine Unschuld zu bekunden. Sie wird von einem blassen hässlichen Mann mit einem stechenden Blick geleitet, der aussieht, als sei er an einer langen Krankheit dahingesiecht. Bei ihm handelt es sich wohl um den Neid. Zudem werden zwei Frauen abgebildet, die auf die Verleumdung warten, sie reizen, ermüden und austricksen. Gemäß der Beschreibung des Bildes handelte es sich bei ihnen um den Verrat und den Betrug. Sie werden von einer trauernden Frau in schwarzen Lumpen gefolgt. Ich denke ihr Name war die Reue. Sie dreht den Ereignisse den Rücken, mit Tränen in den Augen und wirft der sich nähernden Wahrheit voller Scham einen verstohlenen Blick zu. 

Mit diesen Worten beschrieb der griechische Philosoph Lucianus (125-180) Die Verleumdung des Apelles, ein verschollenes, fast schon mythisches Gemälde aus dem vierten Jahrhundert vor Christus. Lucianus erzählt, wie Apelles – der berühmteste Maler der Antike – durch einen konkurrierenden Meister verleumderisch der Verschwörung gegen den mazedonischen General Ptolemaeus beschuldigt wurde. Dieser stand kurz davor, Apelles hinrichten zu lassen, als die Wahrheit über seine Unschuld ans Licht kam und der Maler doch noch freigesprochen wurde. Auf seinen Gemälden stellte Apelles allegorisch mithilfe von Personifizierungen menschlicher Mentalitäten und moralischer Konzepte die ungerechte Situation dar, in der er sich befand.

Der Text von Lucianus wurde im frühen fünfzehnten Jahrhundert wiederentdeckt, übersetzt und verbreitet und war sowohl in der Literatur als auch in der bildenden Kunst äußerst beliebt. Nach italienischen Künstlern wie Mantegna (1431-1506), Botticelli (1445-1510) und Zuccaro (ca.1540-1609) inspirierte das Thema auch Künstler aus dem Norden. In den Niederlanden wurde Apelles als eine Personifizierung des perfekten Malers angesehen. So wurde Rubens wiederholt als „Apelles seiner Zeit“ gepriesen. Die Verleumdung des Apelles war zudem ein Thema, mit dem sich ein Meister als gelehrter Renaissance-Künstler profilieren konnte. Pieter Bruegel der Ältere (ca.1525-1569) und später auch Peter Paul Rubens (1577-1640) nahmen das Thema wieder auf, doch keiner widmete ihm so viel Aufmerksamkeit wie Maerten de Vos. Sein Tafelbild ist heute die einzig bekannte gemalte Version des Themas aus den Niederlanden, was zu der Einmaligkeit und Wichtigkeit des Gemäldes beiträgt.

Maerten de Vos (1532-1603) wuchs in einer Antwerpener Künstlerfamilie auf. Er lernte das Fach bei seinem Vater Pieter de Vos und Frans Floris (1517-1570). Nach seiner Lehrzeit soll er eine Reise nach Italien unternommen haben, wo er in dem Atelier von Tintoretto (1518-1594) gearbeitet haben soll. Nach seiner Rückkehr nach Antwerpen wurde er 1558 bei der Sint-Lucas-Gilde als Meister registriert und erhielt seine ersten großen Aufträge. Wie auch andere Künstlern wurde der lutheranische De Vos durch die Glaubenskriege und die anhaltende religiöse Gewalt des sechzehnten Jahrhunderts beeinflusst. Anfangs war sein Werk reformatorisch geprägt. Dank eines gut entwickelten Anpassungsvermögens erhielt er jedoch auch Aufträge von katholischen Auftraggebern. Nach dem Fall von Antwerpen im Jahr 1585 entwickelte sich De Vos zu einem renommierten Maler großer katholischer Altarbilder.

Für seine Verleumdung des Apelles Voor basierte sich de Maerten de Vos frei auf einem berühmten Druck von Giorgio Ghisi (1520-1582) nach einem Gemälde von Luca Penni (ca. 1500/1504-1556). Der Druck von Ghisi muss im letzten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts in Antwerpen zirkuliert sein. Einige sehr spezifische Elemente, wie das Fangnetz als Attribut der Figur des Betrugs und die Ergänzung der Figur der Zeit als Vater der Wahrheit, sind für beide Kompositionen einzigartig. De Vos kopierte den Druck jedoch nicht komplett: Elemente, die nicht vollständig den literarischen Subtilitäten entsprachen, ließ er weg. Zweifellos war er mit der Beschreibung von Lucianus vertraut und wünschte dieser nachzukommen.

Im Jahr 1594 wirkte De Vos an der Verschönerung der Stadt zur Vorbereitung des Einzugs von Ernst von Österreich in Antwerpen mit. Für diesen Auftrag erstellte De Vos zur Vorbereitung Zeichnungen, die auffällige stilistische Ähnlichkeiten mit der Verleumdung des Apelles aufweisen. Es scheint, als habe er diese Zeichnungen auch als Vorlage für das Gemälde verwendet. Möglicherweise entstand Die Verleumdung des Apelles in den letzten Lebensjahren von De Vos. Die profane Thematik und die vollständig unbekleidete Figur der Wahrheit machen es zu einen einzigartigen, wichtigen und intrigierenden Stück aus seinem Spätwerk.

Viele Fragen über dieses unbekannte Meisterwerk bleiben vorläufig unbeantwortet. Für wen malte De Vos diese Komposition? Das juristische Thema und die Abmessungen der Tafel könnten darauf hinweisen, dass das Gemälde für ein öffentliches Gebäude bestimmt war, wie etwa für ein Gericht. Bei dem Auftraggeber könnte es sich jedoch auch um einen humanistisch orientierten Sammler mit einem Interesse an dem antiken Thema gehandelt haben. Auch die Bedeutung des Tafelbildes und die dahinter liegende Botschaft konnten bis heute nicht vollständig entschlüsselt werden. So machte De Vos aus seiner allegorischen Personifizierung der Reue eine zeitgenössische religiöse Figur und die Eifersucht verbarg einen Harnisch unter ihren Lumpen. Verbirgt sich hinter diesem Bild auch eine versteckte politische oder religiöse Botschaft? Derartige Eigenheiten sprechen zwar für diese Annahme, aber doch gibt es noch viele offene Fragen.

Nach Jahren in einer Privatsammlung wird Die Verleumdung des Apelles von Maerten de Vos nun erstmalig einem internationalen Publikum präsentiert, und dies nur einen Steinwurf vom Hause des Meisters entfernt. Ab 2019 soll das Werk Bestandteil der Sammlung des renovierten Königlichen Museums der schönen Künste werden. Bis dahin kann das Gemälde im Rubenshaus bewundert werden.

Anthony van Dyck (1599-1641), Selbstporträt, Öl auf Leinwand, 1635-1641, Dauerleihgabe, Privatsammlung

Anthony van Dyck war der berühmteste und talentierteste Schüler von Peter Paul Rubens. Das nun aufgetauchte Selbstporträt malte der Antwerpener Meister im Auftrag des englischen Königs Charles I. Selbstporträts erfolgreicher Künstler waren begehrte Sammelobjekte, und Charles I hatte eine kleine aber feine Sammlung von Selbstporträts von Tizian, Bronzino, Giulio Romano, Rubens und … Van Dyck. Charles I bewunderte seinen Hofmaler Anthony Van Dyck sehr und brachte im ein großes Wohlwollen entgegen, was auch aus seinen Worten auf dem Grab von Van Dyck in London hervorgeht: „Anthony van Dyck, who while he lived gave immortality to many“.

Das Selbstporträt im Rubenshaus ist mit dem aus The National Portrait Gallery in London fast identisch. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Schnurrbart von Anthony in diesem Porträt nach oben steht. Van Dyck zeigt sich Charles I hier formell. Der herunterhängende Schnurrbart auf dem Werk in London weist darauf hin, dass Van Dyck dieses Porträt für sich selbst anfertigte.

Aufgrund der Übermalungen und der späteren rechteckigen Gestaltung wurde das Werk bis vor Kurzem Nachfolgern zugeschrieben. Untersuchungen haben nunmehr ergeben, dass es sich um einen echten Van Dyck handelt. Das Werk dieses Antwerpener Wunderkindes wurde somit um ein Selbstporträt bereichert. Ein solches Selbstporträt war eine wahrhaftige Visitenkarte, die von dem Talent des Künstlers zeugte. Der Maler entschied selbst, wie er gesehen werden wollte.

Anthony van Dyck (1599-1641) (zugeschrieben), Kopfstudie von Jupiter, Öl auf Leinwand, Dauerleihgabe, Privatsammlung, Großherzogtum Luxemburg

Dieser Jupiter könnte eine Studie für Van Dyck’s Kompositionen von Jupiter sein, der eine schlafende Antiope als Satyr zusammen mit einem Adler verführt. Das Gemälde von Jupiter und Antiope in der Sammlung des Museums der schönen Künste in Gent wurde auf ca. 1620 datiert. Zu diesem Zeitpunkt war Van Dyck noch jung und wurde stark durch seinen Lehrmeister Rubens beeinflusst. Der muskulöse und bärtige Jupiter erinnert an Figuren alter Männer in den Kompositionen Rubens. Die Studie zeigt einen gebeugten Jupiter mit Hörnern auf dem Kopf, der als Satyr verkleidet ist, ein unsittliches mythologisches Wesen mit Ziegenbeinen. Von dem fertigen Gemäldes aus dem Museum für schöne Künste in Gent kann die Rolle des verkleideten Gottes abgeleitet werden. Bei Ovidius, dem römischen Dichter, können wir nachlesen, dass Jupiter, der größte Verführer unter den Göttern, eine schlafende Antiope verführt. Aus diesem Liebesspiel werden Zwillinge geboren.

Frans Pourbus de Jonge (1569-1622), Porträt von Elisabeth von Frankreich, später Isabella, Königin von Spanien (1602-1644), Öl auf Leinwand, Dauerleihgabe, Privatsammlung, Großherzogtum Luxemburg

Bei dem Mädchen auf diesem Porträt handelt es sich um Elisabeth von Frankreich, Tochter von Hendrik IV, König von Frankreich und Maria de’ Medici. Dieses vor kurzem wiederentdeckte Werk des Antwerpener Meisters Frans Pourbus de Jonge zeigt das Mädchen im Alter von zehn Jahren, mit reichlich Schmuck und einem Kleid mit Goldbordüre. Dieses Gemälde gehört zu der Serie königlicher Porträts, die Pourbus während seiner Laufbahn als Maler am französischen Hof anfertigte. Durch ihre Eheschließung mit dem spanischen Philipp IV im Jahr 1615 wurde Elisabeth später Königin von Spanien.

Jacob Jordaens (1593-1678), Kopfstudie einer alten Frau, Öl auf Leinwand, auf Holz übertragen, vorübergehende Leihgabe, Privatsammlung, Antwerpen

Jacob Jordaens (1593-1678) war neben Rubens einer der Protagonisten der flämischen barocken Malerei. Als junger Maler arbeitete Jordaens eine zeitlang in dem Atelier von Rubens, wodurch er stark beeinflusst wurde. Dennoch entwickelte Jordaens einen ganz eigenen Stil.

Zu dem Werk von Jordaens zählen einige gleichartige Studien von Köpfen alter Frauen, von denen nur eine mit einem seiner Bilder in Verbindung gebracht werden kann. Diese Studie konnte noch nicht mit einem spezifischen Werk in Verbindung gebracht werden. Die abgebildete Frau scheint in dem Werk von Jordaens jedoch regelmäßig vorzukommen. Durch die Art und Weise, auf die der Antwerpener Meister ihr Gesicht modellierte, mit sichtbaren Falten am Nacken und im Gesicht und einer leichten Röte auf den Wangen, wird die alte Frau eine charakteristische, erkennbare und lebendige Figur.

Frans Pourbus der Jüngere (1569-1622) (zugeschrieben), Porträt von Ferdinando Gonzaga (1587-1626), Öl auf Leinwand, vorübergehende Leihgabe, Privatsammlung, Antwerpen

Frans Pourbus der Jüngere war, wie auch Rubens, nicht nur Meister in Antwerpen, sondern unter anderem auch Hofmaler des Herzogs von Mantua, Vincenzo Gonzaga. Dieses Porträt zeigt den Sohn des Herzogs, Ferdinando Gonzaga, der später die Nachfolge seines Vaters als Herrscher über die Stadt antreten soll. Die detaillierte Wiedergabe des mit Gold bedeckten Harnisch des jungen Mannes zeigt das meisterliche Talent von Pourbus als Portraitmaler.

Jan Cossiers (1600-1671), Porträt eines Herren, Öl auf Holz, ca. 1620, vorübergehende Leihgabe, Privatsammlung, Antwerpen

Jan Cossiers war ein Mitarbeiter Rubens. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Antwerpener Meister. Kennzeichnend für Cossiers sind seine einfühlsamen, lebensechten Porträts. Das jetzt im Rubenshaus gezeigte Gemälde ist hierfür ein schönes Beispiel. Die linke Hand des jungen Mannes ruht unbekümmert auf seiner Taille, wodurch er einen selbstsicheren und würdevollen Eindruck erweckt. Das Werk von Cossiers wurde stark durch Carravagio beeinflusst. Auch bei diesem Porträt spielt er sorgsam mit Licht und Schatten.

 

Kontakt

Nadia De Vree

Pressedienst Museum und Erbgut Antwerpen

Stad Antwerpen